Institut für Strafrecht und Kriminologie

Studiengänge

Master of Advanced Studies in International Criminal Law and Corporate Crime (MAS ICL Unibe)

Der Studien- und Forschungsbereich Internationales und Wirtschaftsstrafrecht will Querbezüge der nationalen und internationalen Verflechtungen des Strafrechts aufzeigen, die aktuellen kriminalpolitischen Strömungen analysieren und auf den einzelnen Ebenen Wissen vermitteln sowie anstehende Fragen in Gesetzgebung, Theorie und Praxis beantworten helfen.

Die Internationalisierung und Europäisierung des Rechts wirft neue Fragen für Theorie und Praxis auf. Allein schon das Geflecht von nationalem und internationalem, zwischenstaatlichem und supranationalem Strafrecht verlangt nach strukturierter Durchdringung.

Bei grenzüberschreitenden Sachverhalten bzw. Sachverhalten mit Auslandsbezug - von Strassenverkehrsdelinquenz über Sextourismus bis zu Wirtschafts- oder Umweltkriminalität - stellen sich Fragen der Anwendbarkeit nationalen Strafrechts, der klassischen Rechtshilfe und der Amtshilfe. Der zwischenstaatlichen Zusammenarbeit in Strafsachen auf polizeilicher, staatsanwaltschaftlicher und gerichtlicher Ebene kommt generell eine stetig anwachsende Bedeutung zu.

Auf internationaler Ebene vereinbarte Übereinkommen und Empfehlungen (UNO, Europarat, OECD, FATF u.v.m.), z.B. über Korruption, Geldwäscherei, Internetkriminalität, Menschenhandel, Waffenhandel, sonstige Formen organisierter Kriminalität, Wirtschafts- und Datenspionage, Terrorismus etc. erfordern eine Umsetzung durch den nationalen Gesetzgeber.

Ein eigenes Augenmerk verdient auch das Europäische Strafrecht in seinen Auswirkungen auf die Schweiz, etwa im Bereich des Kartellrechts oder des strafrechtlichen Verbraucherschutzes. Denn auf vielfältiger Ebene wird im Rahmen des sog. autonomen Nachvollzugs EU-Recht durch Schweizer Gesetzgeber, Gerichte und Behörde adaptiert.

Einzubeziehen ist schliesslich auch die supranationale Ebene und damit, neben dem Strafrecht der Europäischen Union, das vom Internationalen Gerichtshof (IStGH), den Ad-hoc Tribunalen (Jugoslawien und Ruanda) bzw. ihren Residualmechanismen und den gemischt internationalen Strafgerichten angewandte Völkerstrafrecht. In diesem verhältnismässig jungen Bereich bestehen enge Bezüge zum humanitären Konfliktvölkerrecht und zum universalen bzw. regionalen Menschenrechtsschutz. Das Völkerstrafrecht kann auf eine in den letzten Jahrzehnten ausserordentlich dynamische Entwicklung zurückblicken, die eine reichhaltige Rechtsprechung und ein kaum mehr überblickbares internationales Schrifttum zur Folge hatte. Es handelt sich um eine Materie, die völkerrechtliche Grundsatzfragen wie etwa die Legitimation supranationaler Gerichtsbarkeit oder die Rechtsquellenlehre mit der ganzen Palette genuin strafrechtlicher (z.B. Geltungsbereich, Vorgesetztenverantwortlichkeit, Handeln auf Befehl) und strafprozessrechtlicher (z.B. Komplementaritätsmechanismus) Problembereiche verknüpft. Zahlreiche, höchst interessante, mitunter aber sehr komplexe Rechtsfragen, bedürfen einer vertieften, rechtsvergleichenden Bearbeitung. Für die Schweiz geht es einerseits um die Zusammenarbeit mit ausländischen Strafverfolgungsbehör- den und den Internationalen Strafgerichtshöfen und andererseits um die Umsetzung des auf nationaler Ebene kodifizierten Völkerstrafrechts.

Auf all diesen Ebenen ist natürlich auch der Schutz der Grundrechte der am Verfahren beteiligten Personen ein zentrales Thema.

Basisinformationen zum Studiengang
Abschluss: Master of Advanced Studies in International Criminal Law and Corporate Crime (MAS ICL Unibe)
Umfang: Mindestens 60 ECTS-Punkte 
Studiendauer: Max. 8 Semester
Kosten: CHF 15'000.(für das gesamte Studium)
Unterrichtssprache: Deutsch 
Studienbeginn: Herbst- und Frühjahrssemester 

Angesprochen sind Fachpersonen mit Tätigkeiten im Bereich der polizeilichen und staatsanwaltschaftlichen Strafverfolgung, Strafuntersuchung und der Rechtsprechung in Fällen mit internationalem Bezug; namentlich in den Bereichen des Wirtschaftsstrafrechts, der Organisierten Kriminalität, des Menschenhandels, der damit zusammenhängenden Internationalen Rechtshilfe und den involvierten internationalen Gerichten.

Personen mit abgeschlossenem Universitätsstudium auf Master-Stufe in Sozial- und/oder Politikwissenschaften sowie Berufserfahrung. Über die Aufnahme bei gleichwertigen Voraussetzungen wird im Einzelfall sur dossier entschieden.