Projekte

SNF Forschungsprojekt 10001G-231590 «The Impacts of Legislation and Policing on Football Crowd Violence: A Longitudinal cross National Comparative Study» («Die Auswirkungen von Gesetzgebung und Polizeiarbeit auf Fangewalt im Kontext von Fussballspielen: Eine longitudinale, länderübergreifende, vergleichende Studie»)

Juni 2025 bis Mai 2028

Das vom Schweizerischen Nationalfonds geförderte interdisziplinäre und internationale Forschungsprojekt untersucht, wie sich Gesetzgebung und Polizeiarbeit auf Gewalt im Umfeld von Fussballspielen auswirken. Im Zentrum stehen Spiele der höchsten Schweizer Liga sowie ein internationaler Vergleich mit England. Das Projekt verbindet rechtswissenschaftliche, sozialwissenschaftliche und praxisorientierte Perspektiven. Ziel ist es, die Dynamiken rund um Gewalt an Sportveranstaltungen besser zu verstehen und auf dieser Grundlage evidenzbasierte Lösungsansätze zu entwickeln.

Ausgangslage
Auch in der Schweiz kommt es immer wieder zu gewaltsamen Vorfällen rund um Fussballspiele. Die Mehrheit dieser Ereignisse findet ausserhalb der Stadien statt, insbesondere auf den Reisewegen. Damit sind vor allem die zuständigen Polizeikorps gefordert. Das Thema ist seit Jahren Gegenstand öffentlicher und politischer Debatten. Die Aktualität des Themas zeigt sich auch in der Forschung, die sich in zahlreichen Fachrichtungen mit Ursachen und Präventionsmöglichkeiten auseinandergesetzt hat. Neuere Ansätze stellen nicht allein einzelne Personen oder Gruppen in den Vordergrund, sondern die Interaktionen zwischen den beteiligten Akteuren. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Frage, ob polizeiliches und sicherheitsbezogenes Handeln von den anwesenden Personen als legitim und verhältnismässig wahrgenommen wird. Solche Wahrnehmungen können das Verhalten am Spieltag wesentlich beeinflussen und Prozesse der Selbstregulierung innerhalb von Fangruppen fördern oder erschweren. Gerade für die Schweiz fehlt bislang eine systematische Untersuchung dieser Wahrnehmungen und Dynamiken. Das Projekt will diese Lücke schliessen und zugleich einen Beitrag zur Weiterentwicklung bestehender theoretischer Modelle leisten.

Fragestellungen
Das Projekt geht mehreren zentralen Fragen nach. Untersucht wird insbesondere, welche Auswirkungen die rechtlichen Grundlagen auf polizei- und sicherheitsbezogene Massnahmen bei Fussballspielen haben. Weiter wird analysiert, wie die verschiedenen Akteure am Spieltag miteinander interagieren und wie diese Interaktionen zur Verbesserung der Sicherheit weiterentwickelt werden können. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Frage, welche Erkenntnisse sozialwissenschaftliche Modelle zu Konflikt- und Gruppendynamiken für den Schweizer Kontext liefern. Schliesslich wird untersucht, welche Hindernisse und Möglichkeiten für eine evidenzbasierte Weiterentwicklung der Präventionsarbeit in der Schweiz bestehen.

Vorgehen
Das Forschungsvorhaben bezieht die Praxis eng ein. Untersucht werden ausgewählte Spiele der Super League und anderer Wettbewerbe mit Beteiligung von Super-League-Clubs. Teil des Projekts sind Beobachtungen an Spieltagen, die Analyse relevanter Dokumente wie Rahmen- und Spieltagsbewilligungen, Interviews mit der Polizei sowie Fokusgruppen mit Fans, Fanarbeitenden und Mitarbeitenden der Clubs. Ergänzt wird dies durch eine quantitative Befragung von Fans sowie durch eine juristische Analyse der rechtlichen Rahmenbedingungen. Damit verbindet die Studie praktische, rechtliche und soziale Perspektiven.
Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist der internationale Vergleich mit England. Dort werden in enger Zusammenarbeit mit Prof. Clifford Stott und Dr. Mike Hope der Open University Daten nach demselben Vorgehen erhoben. Dadurch lassen sich Entwicklungen und Unterschiede länderübergreifend analysieren.

Nutzen
Das SNF-Projekt bietet die Möglichkeit, Gewalt im Umfeld von Fussballspielen vertieft und vergleichend zu erforschen. Es stärkt zugleich die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Clubs, Wissenschaft und Fans. Inhaltlich ermöglicht das Forschungsprojekt systematische Erkenntnisse über Konfliktdynamiken in der Schweiz und in Grossbritannien zu liefern, deren Zusammenhang mit rechtlichen Rahmenbedingungen und Fankultur aufzuzeigen, die Wirksamkeit und Angemessenheit von Sicherheitsmassnahmen zu beurteilen und forschungsbasierte Verbesserungen für die Präventionsarbeit zu implementieren.

Allgemeine Kontaktadresse

Dr. Alain Brechbühl
Universität Bern
Institut für Strafrecht und Kriminologie
Schanzeneckstrasse 1
Postfach
3001 Bern

Telefon: +41 31 684 47 99

alain.brechbuehl@krim.unibe.ch